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Vor- und Nachteile der Viehhaltung im regionalen Ökolandbau
Von politischer Seite war das Statement ganz klar: „Baden-Württemberg ohne Tierhaltung geht nicht und ist auch nicht gewollt.“ Und dennoch: Die allgemeine Kritik an der Tierhaltung war ein Thema der Tagung, schließlich wird sie für Treibhausgasemissionen, Nährstoffüberschüsse und Nahrungskonkurrenz verantwortlich gemacht. Auch die Frage, ob der Verzicht auf Tierhaltung ein Konzept wäre, um die Welternährung sicherzustellen, wurde rege diskutiert. Denn tatsächlich: Ein Drittel des weltweit produzierten Getreides landet im Futtertrog.
Neben diesen negativen Aspekten der Wiederkäuerhaltung stehen jedoch auch große Vorteile, wie z. B. die Beweidung der Bergwiesen im Schwarzwald, die die Offenhaltung der Landschaft sowie eine hohe Biodiversität durch Artenvielfalt garantiere. Zudem sind Weidetiere auch Sympathieträger – und ohne die Offenhaltung der touristisch sehr geschätzten Kulturlandschaft würden die viel gelobte Lebensqualität des Schwarzwaldes und folglich auch der Tourismus wegbrechen.
Insbesondere für den Erhalt der Biodiversität wurde aufgezeigt, dass der Viehhaltung im Ökolandbau eine Schlüsselrolle zukommt. Der Dung der Tiere ist wichtig für den Humusaufbau, denn in einem Kuhfladen auf der Weide findet man unzählige Kleinstlebewesen. Nur die extensive Beweidung der Bergwiesen garantiere diese Artenvielfalt. Und in einer artenreichen Wiese finden auch viele Insekten ihre Nahrung, was wiederum die Insektenpopulation stabilisiere, so war man sich einig.
Viehhaltung ja – doch wie?
Die Vorteile der Tierhaltung im regionalen Ökolandbau überwiegen, sie ist gewollt und sinnvoll, doch in welchem Ausmaß und wie sollten Wiederkäuer gehalten werden? Im Rahmen der Tagung wurde für eine Tierhaltung ohne Nahrungskonkurrenz plädiert. Kühe sollten ihre Milch wieder ausschließlich aus Gras und deren Konservierungsprodukten wie Heu und Grassilage produzieren. Da man damit die heutigen „Hochleistungskühe“ nicht satt bekommt, wäre eine Abkehr von der derzeitigen Hochleistungszucht hin zu extensiveren Rinderrassen wie die vom Aussterben bedrohten Vorder- oder Hinterwälder Rinder, originales Braunvieh oder auch das Schwarzbunte Niederungsrind geboten.
Zudem wurde über das Thema Tierhaltung, Ernährungssicherheit und Flächenverbrauch diskutiert. Würde der Anteil von tierischem Protein in der menschlichen Ernährung um die 12 % betragen[JP1] , wäre der Flächenverbrauch am geringsten. Sollte der menschliche Proteinbedarf künftig ausschließlich aus Pflanzenproteinen gedeckt werden sollen, wie dies die Forderung einiger Politikvertreter ist, wäre dies gar nicht möglich, weil der größte Teil der Grünlandflächen aufgrund von Topografie und Klima gar nicht in Ackerland umgewandelt werden könnten.
Weitere Themen der Wintertagung waren zudem der Bürokratieabbau und eine bessere Koordinierung unter den Behörden, damit das Ansinnen, einen tiergerechten Stall zu bauen nicht zum bürokratischen Spießrutenlauf ausarte.
Die Europäische Innovationspartnerschaft KoRinNa im Südschwarzwald
Im Rahmen der Tagung wurde auch das von der Europäischen Union geförderte Projekt KoRinNa (Kooperation von Berg- und Ackerbauern für Qualitäts-Rindfleisch, Kreislaufwirtschaft und Naturschutz im Südschwarzwald) vorgestellt, welches den Fortbestand der Tierhaltung im Schwarzwald garantieren könnte. Aktuell nehmen 36 Betriebe mit rund 600 ha Fläche an dem im Jahr 2023 initiierten Projekt teil.
Die reale Ausgangssituation im Südschwarzwald ist, dass viele Bergweiden bereits jetzt schon extensiv durch Beweidung genutzt werden – und diese Form der Nutztierhaltung einen großen Beitrag zur Biodiversität leistet. Diese Form der Viehhaltung wird mit viel Idealismus betrieben und dabei werden keine oder kaum Gewinne erwirtschaftet. Aufgrund der extensiven Wirtschaftsweise werden im Sommer weniger Futtervorräte für den Winter gewonnen. Der Zukauf von Heu aus ertragsreicheren Regionen ist zudem teuer und spätestens, wenn der Neubau eines Kuhstalls anstünde, entscheiden sich die meisten Bauern fürs Aufgeben der Tierhaltung.

Ökologische Ackerbaubetriebe könnten jedoch den Dung aus der Viehhaltung für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und zur Stabilisierung ihrer Getreideerträge gut gebrauchen. Ebenso könnte das Kleegras, welches dort für einen erfolgreichen Bio-Ackerbau essentiell ist, in einer Tierhaltung sinnvoll verwertet werden.
Im Rahmen dieses Projektes gehen nun Berg- und Ackerbauern eine Art Futter-Mist-Kooperation ein. Die Bergbauern, die ihre Höfe größtenteils im Nebenerwerb bewirtschaften, halten über den Sommer Tiere, damit die Flächen beweidet werden, und im Winter ziehen die Tiere dann in Ställe um, die in den Tallagen kostengünstiger gebaut werden können als in den Hochlagen, wo diese Gebäude Sturm und Schnee wiederstehen müssen. Im Ackerbaubetrieb sind im Winter, wenn die Feldarbeit ruht, eher Arbeitskapazitäten frei, um die Tiere zu versorgen. Meistens verfügen die Ackerbaubetriebe über reichlich Stroh für die Einstreu und mit dem nahrhaften Kleegras können Masttiere besser ausgefüttert werden, was überzeugende Fleischqualitäten bewirkt.
Alles in allem ist KoRiNa ein Projekt, das für alle Seiten eine Win-win-Situation generieren kann, wenn es auf der kommunikativen und menschlichen Ebene passt. Doch der Weg dorthin ist nicht leicht und teilweise ist viel Überzeugungsarbeit notwendig. Jedoch ein Aufwand, der sich lohnen kann, um die Tierhaltung im Schwarzwald, wie auch in anderen Gebirgsregionen auf Dauer zu erhalten.
[JP1]Hier fände ich es spannend, zu erfahren, wie viel tierisches Protein aktuell im Durchschnitt verzehrt wird. Wurde das auf der Tagung gesagt? Im Netz habe ich folgende Info gefunden:
Tierische Proteine machen derzeit durchschnittlich etwa 60 % der insgesamt verzehrten Proteine in der menschlichen Ernährung aus!