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Der Einstieg in die Traktorproduktion und der Einfluss des Zweiten Weltkriegs
Ab den 1930er-Jahren rollte eine Motorisierungswelle auf die Landwirtschaft zu. Die Erfindung der luftgefüllten Gummireifen ermöglichte es, auch kleinere und leistungsschwächere Traktoren zu bauen. Der „11er Deutz“, gebaut ab 1936 war dafür ein klassisches Beispiel. Nun konnten sich auch kleinere Bauernhöfe einen Traktor leisten. Die Zeit der Bauernschlepper war angebrochen. Die Option, die angebauten Erntemaschinen mittels Motorkraft anzutreiben, ermöglichte die Entwicklung neuer, leistungsfähigerer Ernteverfahren.
Auf die zunehmende Verbreitung von Traktoren reagierte die Fahr AG mit der Konstruktion und dem Bau von zapfwellenbetriebenen Arbeitsmaschinen. Folgerichtig stieg Fahr ab 1938 auch selbst in den Traktorenbau ein und präsentierte mit dem 22 PS-starken „Fahr F 22“ einen Traktor mit – laut Verkaufsprospekt – zwanzig besonderen Vorzügen.
Am Vorabend des Zweiten Weltkrieges standen 3.000 Mitarbeiter bei der Fahr AG in Lohn und Brot. Der Verlauf des Zweiten Weltkrieges zwang auch Fahr dazu, die Traktorenfertigung auf Holzgastraktoren umzustellen. Der „HG 25“ erwies sich mit über 3.000 gebauten Exemplaren als äußerst erfolgreich, ein großer Teil konnte an die Wehrmacht abgegeben werden. Fahr wurde zunehmend zur Rüstungsproduktion verpflichtet und die Fabriken in Gottmadingen sowie in Stockach wurden Ziele alliierter Bombenangriffe.
Nach Kriegsende entging die Fahr AG nicht der Demontage durch die französische Besatzungsmacht. Ebenso mussten Maschinen als Reparationsleistung an Frankreich geliefert werden. Rund 1.300 Mitarbeiter waren bei Kriegsende damit beschäftigt, Trümmer wegzuräumen. Die Fertigung beschränkte sich zu diesem Zeitpunkt auf Haushaltsgeräte wie Waffeleisen, Handleiterwagen, Skier usw.
Das Wirtschaftswunder bei der Fahr AG
Nach der Währungsreform 1948 zeigte die Wachstumskurve bei Fahr wieder steil nach oben. Das Traktorenprogramm wurde stetig ausgebaut und mit der Konstruktion neuer Maschinengattungen war man stets nahe an den Bedürfnissen der Kunden.
1950 präsentierte Fahr den ersten Selbstfahrer-Mähdrescher aus deutscher Produktion. Die Arbeiten daran hatten bereits 1938 begonnen und mussten durch den Krieg zurückgestellt werden. Richtig in Serienproduktion konnte Fahr erst 1952 damit gehen, aber man hatte einen Coup gegenüber Claas aus dem westfälischen Harsewinkel, einem der stärksten Konkurrenten, gelandet, der erst 1953 gleichziehen konnte.

1951 erwarb Fahr die Zahnradfabrik in Karlsruhe, diese fungierte künftig als Zulieferer von Getrieben für Traktoren und Motormähern. 1952 stieg die Maschinenfabrik Fahr AG als erster deutscher Hersteller in den Bau von Feldhäckslern ein. Der Feldhäcksler war eine Maschine, mit der es möglich war, große Mengen an Silage, Heu und Stroh in kürzester Zeit mit nur einer Person zu ernten.
Von dem hohen Nachholbedarf an Traktoren und Erntemaschinen in der Nachkriegszeit profitierte auch Fahr und führte zu imposanten Produktionszahlen. 1951 wurde bereits der 10.000e Fahr-Traktor gefertigt. Zusammen mit dem kombinierten Getreidemäher wurden über 500.000 Grasmäher produziert und verkauft. Graszetter, kombinierte Heuwender und Schwadenrechen, Trommel- und Haspelwender erreichten zusammen rund 120.000 Einheiten. Auch auf dem südamerikanischen Kontinent fasste man zu Beginn der 1950er-Jahre mit der Gründung der Fahr Argentina Fuß.
Kooperationen und ein Welterfolg – der „Kreiselheuer“
Auf die zunehmende Marktsättigung gegen Ende der 1950er-Jahre reagierte die Fahr AG mit einer Kooperation mit dem Mitbewerber Güldner aus Aschaffenburg. Das Resultat war die Fahr Europa-Reihe mit 5 Modellen zwischen 15 und 34 PS[JP1] , welche nahezu baugleich in Gottmadingen und Aschaffenburg vom Band rollten. Auch bei den Erntemaschinen wurde mit Wettbewerbern kooperiert.
Weil man sich im Mähdrescherbau aus Kapazitätsgründen nicht in der Lage sah, alle Leistungsklassen anbieten zu können, kam es zu einer Vereinbarung mit dem belgischen Mähdrescherhersteller Claeys. So fertigte die Fahr AG Mähdrescher des unteren Leistungsbereichs, während Claeys den oberen Leistungsbereich abdeckte. Zur Abgrenzung waren leistungsbestimmende Werte festgelegt worden. Fahr hatte sich hiermit von der Entwicklung leistungsstärkerer Mähdrescher auf Jahre abgeschnitten. Erst die Übernahme der Firma Claeys durch den US-amerikanischen Landtechnik-Hersteller New Holland im Jahr 1964 machte den Weg wieder frei, eigene Großmähdrescher anzubieten.
1961 erfolgte die Übernahme von 25 % des Aktienkapitals durch Klöckner-Humboldt-Deutz (KHD) aus Köln, was einen weiteren Wendepunkt in der Geschichte des Unternehmens bedeutete: Fahr verpflichtete sich, den Traktorenbau einzustellen. Doch gleichzeitig gelang der Fahr AG ab 1961 mit der Entwicklung und serienmäßigen Produktion einer gänzlich neuen Maschine ein herausragender Erfolg auf dem weltweiten Landmaschinenmarkt: Der Kreiselheuer war geboren.
Die Einführung des Kreiselzettwender revolutionierte die Futterwerbung rund um den Globus. Als „Kreiselheuer“ machte er die Fahr AG in der ganzen Welt bekannt. Nach dem Kreiselprinzip arbeitend, konnte Gras gezettet, also gewendet, und durch mehrmaliges Wenden Heu geworben werden. Bei langsamer Zapfwellendrehzahl konnten kleine Nachtschwaden angelegt werden, welche den Trocknungsvorgang ebenfalls beschleunigten.
Der Kreiselheuer löste bei der Fahr AG einen bisher nicht gekannten Nachfrageboom aus und man hatte diese Maschine patentrechtlich schützen lassen. Wettbewerber waren gezwungen Lizenzgebühren an Fahr zu bezahlen. Bis 1988 waren insgesamt 699.805 Kreiselheuer gebaut worden. Mit dem Kreiselmäher ab 1966 und dem Kreiselschwader ab 1969 folgten weiter Maschinen, die nach dem Kreiselprinzip arbeiteten.
Der Niedergang der Fahr AG
Trotz aller Produktionserfolge konnte sich die Fahr AG der vollständigen Übernahme durch KHD nicht entziehen. Unternehmerische Entscheidungen wurden nun von einem börsennotierten Konzern diktiert, und nicht alle technischen Innovationen aus Gottmadingen fanden Zustimmung in der Konzernzentrale. Fahr fiel in Folge in der Käufergunst zurück und war das erste Opfer von millionenschweren Fehlentscheidungen des KHD-Konzerns in den 1980er-Jahren.
Mit dem Verkauf von Fahr im Jahre 1988 endeten 118 Jahre technische Innovationen aus Gottmadingen. Auf nahezu jedem viehhaltenden Betrieb ist der Kreiselzettwender bis heute nicht mehr wegzudenken, aber Erntemaschinen aus dem südbadischen Gottmadingen gibt es seit 2006 keine mehr.