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Die Anfänge unter Johann Georg Fahr: von der mechanische Werkstätte zur Fabrik
Die Technisierung, welche ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts weite Teile der Gesellschaft Mitteleuropas erfasst hatte, machte auch vor der Landwirtschaft nicht Halt. Der Einzug von Maschinen auf den Bauernhöfen ermöglichte Arbeitserleichterungen und Produktionssteigerungen, um die Ernährung der städtischen Bevölkerung sicherzustellen.
Mit dem Wissen um den Bedarf an technischen Hilfsmitteln kaufte Johann Georg Fahr I. 1870 die Neumühle in seiner Heimatgemeinde Gottmadingen und machte sich dort mit zwei Gesellen und einem Lehrling selbständig. Mit Weitblick hatte er auch einiges angrenzendes Land für Erweiterungen mitgekauft und so den Grundstein für die spätere Maschinenfabrik Fahr AG gelegt.
Zunächst wurden dort Maschinen für den täglichen Bedarf gefertigt. Es entstanden Futterschneidemaschinen, Schrotmühlen, Wein- und Obstpressen, kleine Dreschmaschinen und Jauchepumpen. Durch den Vertrieb von Fremdprodukten listete der Verkaufskatalog von Fahr im Jahr 1884 bereits 77 verschiedene Produkte und die junge Fabrik musste bereits mehrmals erweitert werden.
Ende der 1880er-Jahre fanden auch US-amerikanische Erntemaschinen Einzug in das Verkaufsprogramm von Fahr. Sehr schnell erkannte Johann Georg Fahr I., dass hie und da Verbesserungsbedarf an den importierten Maschinen bestand, damit sie auch unter mitteleuropäischen Verhältnissen zur vollsten Zufriedenheit der Kunden arbeiten konnten. Fahr machte sich selbst daran, eigene Erntemaschinen zu konstruieren und zu fertigen. Den Anfang machte 1894 ein Heu- und Getreiderechen, an den Pferde vorgespannt werden konnten. Es folgte 1896 der erste Gabelheuwender „Stabil“. Mit dem Grasmäher „Alemannia“ ab 1899 hatte Fahr einen Gespann-Grasmäher in Produktion genommen, der mit einer Bandbremse auch in Hanglagen eingesetzt werden konnte. Von diesem Grasmäher und seinen weiterentwickelten Nachfolgemodellen konnte Fahr bis zur Produktionseinstellung im Jahr 1953 über 470.000 Maschinen fertigen. Den Grundstock für eine industrielle Fertigung hatte der weitsichtige Unternehmer Johann Geog Fahr I. mit dem Bau einer eigenen Gießerei in Stockach im Jahr 1891 gelegt.
Fahr wagte sich auch an komplexere Maschinen, wie den kombinierten Heuwender und Schwadrechen „Universal“ ab 1908, der sowohl für das Heuwenden und auch Zusammenschwaden desselben eingesetzt werden konnte. Fahr landete auch damit einen großen Verkaufserfolg.
Die Söhne übernehmen: Aktiengesellschaft und industrielle Produktion
1903 zog sich der Firmengründer aus der Geschäftsleitung zurück und übergab das Unternehmen an seine beiden Söhne Johann Georg Fahr II. und Helmut Fahr, welche die Firma zunächst als offene Handelsgesellschaft weiterführten. Mit dem Bau des ersten Getreidemähers wandte sich Fahr auch dem Bau von Maschinen für die Getreideernte zu. Mit dieser Maschine konnte das Getreide gemäht und gleichzeitig zu losen Getreidebündeln abgelegt werden.
1911 wurde aus der offenen Handelsgesellschaft eine Aktiengesellschaft, in der sämtliche Aktienanteile im Familienbesitz gehalten wurden. Gleichzeitig erfolgte die Entscheidung, den Bau von Hofmaschinen aufzugeben und sich komplett auf die Fertigung von Erntemaschinen für Heu und Getreide zu konzentrieren. Im selben Jahr erfolgte der Einstieg in den Bau von Getreide-Bindemähern, bei denen das Getreide nicht nur gemäht und zusammengelegt, sondern gleichzeitig auch zu Garben gebunden wurde. Der Fahr Bindemäher war auch die erste Maschine, welche ab 1930 am Fließband gefertigt wurde.
1912 folgte der Bau der ersten Filiale in Berlin-Lichterfelde.
1914 waren bei Fahr mittlerweile 400 Personen in Lohn und Brot. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges, der damit verbundene Rohstoffmangel sowie die politische und wirtschaftliche Instabilität der Nachkriegszeit warfen Fahr erstmals in der Firmengeschichte zurück. Von 1919 bis 1926 kooperierte Fahr bei der Fertigung und dem Vertrieb von Landmaschinen mit der Friedrich Krupp AG aus Essen.
Nach der Einführung der Rentenmark erholte sich das Unternehmen und die Zahl der Mitarbeiter stieg bis 1930 auf 1.300 Beschäftigte. Ebenfalls 1930 verstarben Johann Georg Fahr II. und sein Bruder Helmut innerhalb kurzer Zeit hintereinander. Der 25 Jahre junge Sohn Johann Georg Fahr III. führte nun das Unternehmen durch die schwierige Zeit der Weltwirtschaftskrise. Die 1930er-Jahre brachten eine wirtschaftliche Konsolidierung und es wurden weitere Verkaufsniederlassungen in Deutschland errichtet. Zahlreiche Inlands- und Auslandspatente zeugten zudem von der hohen Innovationskraft der noch jungen Maschinenfabrik Fahr AG.

Die Eigentümerfamilie Fahr war keine klassische Fabrikantendynastie und sie waren sehr auf das Wohl der Mitarbeitenden bedacht. Jede Produktionserweiterung wurde durch den Bau von neuen Wohnungen für die Werksangehörigen begleitet. Schon Johann Georg Fahr I. lag das gesundheitliche Wohl seiner Mitarbeiter sehr am Herzen. Neben einer Kantine gründete er auch eine betriebseigene Krankenkasse, welche bis zur Fusion mit der BKK Gesundheit 2009 als BKK Fahr existierte.
* Im ersten Teil dieses Berichts wird ausschließlich auf die landtechnische Entwicklung vor der Einführung des Traktors eingegangen.