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Biodiversität in der Landwirtschaft, Teil 5

Gesunde Böden – Der wichtigste Bauernhof im Schwarzwald ist unsichtbar

von Annika Burger, 2. Oktober 2026 Biodiversität beginnt im Boden, denn dort leben unzählige Organismen, ohne die es keine fruchtbaren Äcker, keine artenreichen Wiesen und keine stabilen landwirtschaftlichen Erträge gäbe. Welche Lebewesen für gesunde Böden so bedeutsam sind und mit welchen Maßnahmen unsere regionale Landwirtschaft dazu beiträgt, erfahren Sie hier.
Gesunde Böden – Der wichtigste Bauernhof im Schwarzwald ist unsichtbar
yamkasikorn-unsplash

Gerade im Schwarzwald mit seinen Hanglagen, Wäldern und oft kleinstrukturierten Betrieben sind gesunde Böden besonders wichtig. Doch viele der Prozesse, die dazu beitragen, dass Böden gesund und voller Leben sind, bleiben für uns unsichtbar.

„Ein gesunder Boden lebt“ – Warum ist Biodiversität im Boden so wichtig?

Ein gesunder Boden ist voller Leben. In nur einer Handvoll Erde leben mehr Organismen als Menschen auf der Erde. Regenwürmer graben Gänge und lockern den Boden auf. Springschwänze und Asseln zerkleinern abgestorbene Pflanzenreste. Pilze und Bakterien bauen daraus Humus auf – also den dunklen, fruchtbaren Teil des Bodens. Besonders spannend ist: Viele Pflanzen leben in enger Zusammenarbeit mit Pilzen. Diese sogenannten Mykorrhiza-Pilze verbinden sich mit den Wurzeln von Gräsern, Kräutern oder Bäumen und helfen ihnen, Wasser und Nährstoffe aufzunehmen. Dafür bekommen die Pilze Zucker von der Pflanze. Man könnte sagen: Unter der Erde existiert ein riesiges Tauschsystem. Ohne diese Prozesse würden Wiesen deutlich schlechter wachsen. Für die Wiesen des Schwarzwalds typische Arten wie Schwarze Flockenblume, Hainsimse, Große Pimpinelle, Wiesenknopf oder Ruchgras profitieren direkt von einem aktiven Bodenleben. Und damit wiederum Insekten wie Wildbienen oder Schmetterlinge – die ihrerseits für die Bestäubung sorgen, auch bei Nutzpflanzen.

Wie sehen die Böden im Südschwarzwald aus?

Das variiert nach Region und Höhenlage. Laut dem Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau sind die Böden im Südschwarzwald durch das raue Klima, die eiszeitliche Geschichte und das anstehende Grundgestein geprägt. Sie sind oft nährstoffarm und steinig, landwirtschaftlich überwiegt Grünlandwirtschaft und Viehzucht. Gleichzeitig gibt es große Unterschiede zwischen Tälern, Bergwiesen und Waldflächen. Die Böden sind empfindlich gegenüber Erosion an den steilen Berghängen oder Verdichtung aufgrund des flachgründigen Bodens. Das heißt, nach wenig Boden kommt schnell das sogenannte anstehende Gestein, aus dem die Berge des Schwarzwalds bestehen – und eine dünne Bodenschicht ist schneller verdichtet.

Was passiert eigentlich, wenn ein Boden „gesund“ ist?

Ein gesunder Boden funktioniert wie ein Schwamm und Vorratsspeicher zugleich. Wenn es regnet, versickert Wasser durch die feinen Gänge der Regenwürmer tief in die Erde. Der Boden kann Wasser aufnehmen und später wieder an Pflanzen abgeben. Gerade im Schwarzwald ist das wichtig, weil Starkregen an Hanglagen sonst Erde abschwemmen würde. Außerdem bindet ein humusreicher Boden Kohlenstoff. Das hilft nicht nur den Pflanzen, sondern auch dem Klima. Viele unterschätzen deshalb die Rolle der Landwirtschaft – die den Boden bearbeitet – beim Klimaschutz. Man „bemerkt“ gesunde Böden oft erst, wenn sie fehlen: Verdichtete Böden werden hart, Wasser läuft oberflächlich ab und Pflanzen wurzeln schlechter. Dann verschwinden auch viele Bodenlebewesen – und mit ihnen die Grundlage für fruchtbare Landwirtschaft.

Grafik vom Bodenaufbau
Grafik vom Bodenaufbau

Was tun Landwirte für einen gesunden Boden?

Der Boden ist die Basis für eine gute Ernte. Das wissen auch die Landwirte und Landwirtinnen des Schwarzwalds. Im Gemeinschaftsprojekt „Intelligenter Ackerbau“ unter der Leitung des Landratsamts Breisgau-Hochschwarzwald mit den Partnern BLHV, Austrian Institute of Technology sowie der IG Gesunder Boden wurde in den letzten drei Jahren untersucht, wie man die Bodenfruchtbarkeit langfristig sichern und gleichzeitig die Umwelt sowie Betriebe entlasten kann. Im Fokus steht dabei die Bodenbiodiversität. Auf verschiedenen Praxis- und Demonstrationsflächen wurde analysiert, wie sich unterschiedliche Bewirtschaftung und Düngung auf die Bodenfruchtbarkeit auswirkt. Zu den Kernmaßnahmen gehören:

Verbraucherinnen und Verbraucher werden mittels Informationstafeln auf den Feldern über die Bedeutung der Bodenbiodiversität informiert. Aktuell entsteht ein Praxisleitaden für Landwirte, Beratungsorganisationen und die Öffentlichkeit, der den Einstieg in nachhaltige Anbaumethoden erleichtern soll.

Das Entscheidende ist: Biodiversität beginnt nicht erst dort, wo etwas blüht oder summt. Sie beginnt dort, wo Milliarden unsichtbarer Lebewesen zusammenarbeiten. Im übertragenen Sinne liegt der wichtigste Bauernhof im Schwarzwald deshalb unter unseren Füßen.

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