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Die Möglichkeiten, sich ein Bild über die großen Zusammenhänge der Landwirtschaft zu machen, sind vielfältig. Artikel, YouTube-Beiträge, soziale Medien oder Filme zeigen politische, ökologische, klimatische und wirtschaftliche Aspekte auf. Vor diesem Hintergrund entstehen unterschiedlichste Ansichten und Bewusstseinsperspektiven. Daraus folgen entsprechende Konsequenzen für unser Verhalten, z.B. wenn wir uns für regionale Lebensmittel, Biolebensmittel oder eine vegane Ernährung entscheiden. Und solche Entscheidungen wirken, denn als Konsumenten und Konsumentinnen haben wir durchaus Einfluss. Tatsächlich sind die Schlagworte von Agrarwende-Bewegungen, wie „Essen ist politisch“, durchaus begründet. Die Verbraucher können ein Gegengewicht bilden zu der Lobbyarbeit von Verbänden, Industrie und Kapitalinteressen.
Der Bereich Landwirtschaft kann, solange er noch ein bäuerlich geprägter ist, ein Lebens-Bereich sein, in dem ein regionales Miteinander Oberhand behält gegenüber den machtorientierten Zentralisierungen. Tatsächlich gibt es in unserer südbadischen Region noch einen hohen Grad an gemeinsamer Verbindung – von engen Kundenbeziehungen über Genossenschaftserzeuger, Genossenschaftsläden bis zu gemeinsamer wirtschaftlicher Verantwortung in der solidarischen Landwirtschaft. All diese Formen von Miteinander sind ein guter Ausgangspunkt für echten Austausch und gegenseitiges Verständnis. Das ist gerade auch in für die Landwirtschaft schwierigen Zeiten, wie dem diesjährigen Hitzesommer, essentiell, um zu verstehen, wie es den Landwirten und den Gärtnerinnen ergeht – ohne Wasser, ohne Futtergrundlage für die eigenen Tiere.
Der gegenseitige Austausch und ein verständnisvolles Miteinander zwischen Landwirtschaft und Verbrauchern – das sind auch die Anliegen von Marktplatz LandKultur und seinem Gründer Christoph Wasser. Im Rahmen des neuen Gesprächsformats „Sprechen und Zuhören“ wird beim diesjährigen Höfe-Festival hierfür ein Rahmen geschaffen. Konkret wird es dann um die Frage gehen: „Wie geht es dir mit der regionalen Lebensmittelversorgung?“
„Sprechen und Zuhören“ ist eine Gesprächsform mit ganz wenigen Grundregeln. Sie wurde von der Demokratiebewegung entwickelt aus der Erfahrung heraus, dass unterschiedliche Perspektiven gar nicht mehr miteinander ins Gespräch kommen.*
Durch gemeinsames Sprechen und Zuhören möchten wir auf dem Höfe-Festival die Möglichkeit schaffen, die vielfältigen Aspekte aufzuzeigen, die mit der regionalen Lebensmittelversorgung in Südbaden zusammenhängen. Und wir möchten einen Raum eröffnen, in dem Platz ist für persönliche Erfahrungen und Empfindungen und in dem die Perspektiven von regionalen Landwirten und Verbrauchern in einen Austausch gebracht werden. Hierbei soll es nicht um Überzeugen oder Bewerten gehen, sondern um ein offenes Mitteilen und gegenseitiges Hören. Es kann auch eine Möglichkeit darstellen, zu reflektieren, wo ich mich warum persönlich verortet habe.
Sicherlich ist es generell eine große Herausforderung, die Komplexität des sogenannten primären Sektors Landwirtschaft zu begreifen. Die Erfahrung zeigt jedoch: Gegenseitiges Verständnis hilft, komplexe Probleme gemeinsam besser zu durchdringen. So entstehen Lösungen, die vorher von keinem einzelnen Standpunkt aus sichtbar gewesen wären. Eine Voraussetzung ist: Das Zuhören benötigt die gleiche Gewichtung wie das Sprechen.

Ein wesentlicher Aspekt des Gesprächsformates von Sprechen und Zuhören ist: Wenn wir von Angesicht zu Angesicht mit anderen Menschen authentisch über unser Befinden gegenüber Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung sprechen, kann das helfen, Handlungsweisen zu stärken oder zu überdenken. Zu den medialen Betrachtungen braucht es persönliche Begegnungen, die wachrütteln und gänzlich neue Perspektiven und Möglichkeiten eröffnen.
In diesem Sinne laden wir Sie herzlich ein zu: Sprechen und Zuhören zum Thema „Wie geht es dir mit der regionalen Lebensmittelversorgung?“
Wo und wann: Höfe-Festival, So. 27. Sept., 17 Uhr im Saal der Rainhof Scheune
* Weitere Informationen zum Gesprächsformat „Sprechen und Hören“ finden Sie unter: www.sprechen-und-zuhoeren.org/ueber-uns/hintergrund