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Feuerbohnen und Kürbiskerne aus der Region

Ein Junglandwirt setzt auf unorthodoxen Ideen – mit Erfolg

von Annika Burger, 4. März 2022 Viktor Lang verzichtet auf seinen Feldern in Munzingen am Tuniberg auf chemische Pflanzen-schutzmittel und künstlichen Stickstoffdünger. Das allein ist nichts Besonderes. Doch der Jungland-wirt erntet hier Feldfrüchte, die aus badisch regionaler Produktion bisher einmalig sind: Feuerboh-nen und Kürbiskerne. Anbau und Ernte der Pflanzen sind durchaus eine Herausforderung – die Viktor Lang mit Begeisterung angeht. Seit 2017 ist er dabei, Zeit, dem Pionier ein paar Fragen zu stellen.
Ein Junglandwirt setzt auf unorthodoxen Ideen – mit Erfolg
Kürbisse auf Schrade © Viktor Lang

Woher kommt der Name VikiFarms?
Viki ist mein Spitzname unter Freunden. Vor vier Jahren habe ich zunächst nur mit Bohnen angefangen, die hießen noch VikiBeans. Aber nachdem Kürbiskerne und schließlich auch -öl dazugekommen sind, habe ich die Marke nochmal angepasst zu VikiFarms.

Feuerbohnen als Trockenware und Kürbiskerne sind hier in der Gegend eher selten?
Ja, dass jemand diese zwei Produkte in der Region auch noch so anbaut und verarbeitet, ist mir nicht bekannt, das ist schon etwas Besonderes. Es gibt zwar Ölkürbisanbau in Süddeutschland, aber vor allem in Bayern und bei Heilbronn. Da sind sie allerdings schon um einiges professioneller, bei mir steckt ja alles noch in den Kinderschuhen [lacht]. Ich möchte mir das im gesunden Tempo Stück für Stück aufbauen. Denn gerade der Bohnenanbau ist durchaus eine heikle Sache.

Was ist an Bohnen so heikel?
Die ersten zwei Jahre habe ich den Anbau in Mischkultur mit Mais ausprobiert, aber da musste ich die Reißleine ziehen, weil der Ertrag nicht ausreichend war. Außerdem sind Bohnen sehr hitzeempfindlich. Dabei ist gar nicht das fehlende Wasser im Boden das Problem, weil Bohnen tief wurzeln können. Schädlich sind zu hohe Temperaturen von außen: während der Hochblütezeit vertrocknen die Blüten dann einfach und fallen ab. Die Herausforderung ist also, die Fläche zu kühlen, zum Beispiel mit Beregnungsmaschinen. Diese Möglichkeit haben wir hier am Tuniberg aber nicht.

Aktuell wachsen die Bohnen am Spalier?
Genau. Es ist zwar nach wie vor viel Handarbeit, aber ich kann mehr ernten und die Qualität ist besser. Aber ganz abgehakt habe ich das Thema Mischkultur noch nicht, denn das ist schon eine tolle Sache. Vorteilhaft wären kleinwüchsige, eventuell alte Maissorten, die nicht so viel Raum einnehmen. Da bin ich momentan in einem sehr spannenden Austausch mit dem „Genbänkle“ [Netzwerk für Sortenretter mit Schwerpunkt Baden-Württemberg, Anm. der Redaktion]. Ich hoffe, dort auch hitzebeständigere Bohnen zu finden.

Wie sind Sie überhaupt auf die Idee mit den Bohnen gekommen?
Das war während eines studienbegleitenden Praktikums in Österreich. Der Landwirt war überzeugt von seinem Produkt und hat mich mit seiner Begeisterung angesteckt. Sie sind ein ausgezeichneter Eiweißlieferant! Neben dem Weinanbaubetrieb meiner Familie, in dem ich voll mitarbeite, hatten wir schon immer auch extensiven Ackerbau. Als anstand, dass ich in den Betrieb einsteige, war das mit den Bohnen und später den Kürbissen meine Vision. Ich wollte etwas Besonderes anbauen, das man direkt auf dem Hof vertreiben kann. Auch die Anbau- und Erntezeit passt gut in unsere übrigen Betriebsabläufe.

Wie werden die Bohnen geerntet?
Die Schoten werden per Hand gezupft und dann werden sie mit einer Maschine stationär bei uns auf dem Hof ausgedroschen. Am Anfang habe ich sie noch auf großen Gestellen an der Luft trocknen lassen, aber durch die Kürbiskerne habe ich mittlerweile eine Trockenanlage, die ich auch für die Bohnen verwende.

Anbau von Feuerbohnen am Draht
Anbau von Feuerbohnen am Draht

Apropos Kürbis: Wie gewinnt man denn die Kerne? Da ist bei der Ernte ja noch eine Menge Kürbis drum herum.
[Lacht] Im ersten Versuchsjahr durften die Erntehelfer von der Weinlese gleich noch ein paar Tage die Kerne herauspulen – ohne große Freude. Aber seit letztem Jahr setze ich einen Vollernter speziell für Kürbisse ein. Diese werden von uns auf Schrade, also in Reihen gelegt, dann nimmt die Maschine sie auf und drischt sie aus. Das Fruchtfleisch landet gleich wieder auf dem Acker, das ist in dem Fall ungenießbar, dafür aber super Dünger für die Folgekultur. Da die steirischen Ölkürbisse speziell für die Kernbildung gezüchtet sind, kommt eine enorme Menge dabei raus, circa 60 bis 80 Gramm pro Frucht.

Wie findet der Kürbiskern dann seinen Weg ins Müsli oder Brot?
Das Ganze steht und fällt mit der Trocknung, wie ich schmerzlich erfahren musste. Nach dem Ausdreschen werden die Kerne sofort gewaschen und dann acht bis zehn Stunden auf sechs Prozent Restfeuchte heruntergetrocknet. Der Ölkürbis hat zwar einen schalenlosen Kern, trotzdem müssen aus der Rohernte erst noch Erntereste und zerbrochene Kerne entfernt werden. Da arbeiten wir immer von Hand nach.

Was passiert mit den aussortierten Kernen?
Aus den Bruchkernen lasse ich Öl pressen. So kann ich alles so weit wie möglich verwerten. Das Grüne Gold, so heißt mein Kürbiskernöl, passt auch ganz toll zu unseren anderen Produkten. Bei Weinproben etwa kommt es immer mit auf den Tisch.

Und wer freut sich dann über Ihre regionalen Kerne?
Ich arbeite momentan mit zwei Bäckereien vor Ort zusammen. Sie schätzen die bessere Qualität im Vergleich zu herkömmlicher Ware und finden es gut, dass es ein regionales Produkt ist. Aber natürlich kann man auch kleinere Mengen ab Hof kaufen. Die Bohnen findet man auch in einem Unverpackt-Laden in Freiburg, da werden die meisten gekauft. Wer es kontaktlos mag: über den Onlineshop unseres Weinguts C. Lang kann man das Öl einzeln oder als Probepaket mit Bohnen und Kürbiskernen bestellen.

Weitere Informationen unter Vikifarm und auf der Seite Weingut Lang

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