Für Landwirte →

Trends der Landtechnik

Größer, schwerer, mehr PS – Eindrücke von der Agritechnica 2025

von Rainer Bank, 16. Januar 2026 Im zweijährigen Turnus findet im Spätherbst die Agritechnica, die Weltleitmesse für Landtechnik, in Hannover statt. Die dort gezeigten Maschinen und Traktoren spiegeln den stetig fortschreitenden Strukturwandel in der Landwirtschaft wider. Für südbadische Verhältnisse ist das, was dort gezeigt wird, eher zu groß.
Größer, schwerer, mehr PS – Eindrücke von der Agritechnica 2025
Agritechnica 2025 Hannover, Foto: Rainer Bank

Seit 1985 gibt es die Agritechnica. Sie löste die DLG-Wanderausstellungen ab, die im Wechsel in Frankfurt/Main, Hannover oder München alles rund um das Thema Landwirtschaft zeigten. Die Agritechnica ist eine Fachmesse für die landwirtschaftliche Produktion, während es mit der „Euro Tier“ wiederum eine Fachmesse für die tierische Produktion gibt.

Am Anfang in Frankfurt zu Hause, zog diese Messe 1995 nach Hannover um. Dort belegte sie zunächst rund ein Drittel der verfügbaren Ausstellungsfläche der Messe Hannover. Zur Agritechnica 2025 waren alle Hallen belegt! Reichte in den Anfängen ein Tag für den Besuch der Agritechnica aus, so sollte man inzwischen mindestens zwei Tage für einen Messebesuch einplanen. Denn in den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Agritechnica zur Weltleitmesse für Agrartechnik gemausert. Der Standort Hannover liegt verkehrsgünstig, so dass auch Messebesucher aus Osteuropa gut anreisen können. Die internationale Reichweite der Messe zeigt sich zudem darin, dass auch Hersteller präsent sind, die ihre Produkte gar nicht in Deutschland zum Verkauf anbieten.

Die Ausstellungsstände der Landtechnikhersteller auf der Agritechnica spiegeln etwas zeitversetzt den stetigen Strukturwandel in der Landwirtschaft wider. Immer größer werdende Betriebe benötigen immer größere Traktoren und Maschinen. Somit benötigen die Firmen deutlich größere Ausstellungsflächen, um ihr Produktportefeuille repräsentativ zu zeigen. In der Vergangenheit gab es als Reaktion auf die schwindende Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe auch zahlreiche Firmenübernahmen oder-zusammenschlüsse.

Diese großen Landtechnikkonzerne konzentrieren ihre verschiedenen Produktmarken gebündelt an einem Standort. So füllt zum Beispiel der US-amerikanische Konzern AGCO mit seinen Marken Fendt, Massey-Ferguson und Valtra die größte aller Ausstellungshallen der Messe Hannover nahezu komplett aus.

Anno 1985 gab es auf der Agritechica nur wenige Traktoren über 200 PS zu sehen. Die meisten Hersteller bedienten Leistungsklassen zwischen 40 und 160 PS. Aktuell bieten die meisten Hersteller Traktoren zwischen 100 und 450 PS an. Traktoren unter 100 PS eignen sich heute kaum noch für den universellen Einsatz: Sie sind mit Frontlader ausgestattet, unermüdliche Helfer rund um den Hof oder den Stall.

Ein Traktor über 200 PS wurde damals ehrfürchtig als „Eisenschwein“ bezeichnet und war fast ausschließlich auf dem Acker vor dem Pflug anzutreffen. Aktuell werden in der Leistungsklasse zwischen 200 und 300 PS die meisten Traktoren verkauft. Sie sind zu Allroundern mutiert. Man trifft sie bei der schweren Feldarbeit an, aber ebenso vor einer Pflanzenschutzspritze oder einem Düngerstreuer. Also für Tätigkeiten, für die man früher den neu angeschafften Traktor für zu schade hielt und stattdessen der abgetakelte Oldie ran musste.

Man trifft dieses Traktorensegment zunehmend auch im Grünland an. Der Grund ist auch dort, dass die anmontierten Maschinen größer geworden sind. War vor rund 40 Jahren eine Schmetterlings-Mähkombination mit einem Frontmähwerk und zwei hinten seitlich ausklappbaren Heckmähwerken mit einer Arbeitsbreite von bis zu 9 m noch entfernte Zukunftsmusik, so präsentiert der elsässische Landtechnikhersteller Kuhn eine zweifach zusammenklappbare Mähkombination mit 15 m Arbeitsbreite. Ähnliches ist beim Kreiselzettwender zu beobachten. War diese Standardheuwendemaschine früher aufgrund des geringen Kraftbedarfs für den Einsatz leistungsschwacher Traktoren prädestiniert, so müssen heute deutlich stärkere Boliden ran, um die tonnenschweren Maschinen von A nach B zu transportieren.

Auch der Bio-Landbau blieb keine Insel der Glückseligen, hier vollzog sich der Strukturwandel ebenso. Zwar nicht in solch einem rasanten Tempo wie in der konventionellen Landwirtschaft, aber doch stetig. Der Kostendruck in der landwirtschaftlichen Produktion erfordert auch hier Rationalisierung und Effizienzsteigerung. Auf der Agritechnica 2025 konnte man Lösungsansätze für diese Herausforderungen finden.

Für das Striegeln des Getreides zwecks Unkrautregulierung braucht man heute deutlich größere Traktoren. Die modernen Getreidestriegel als Präzisionsstriegel ausgeführt stellen komplexere Anforderungen in Bezug auf hydraulische oder elektrische Steuerung als noch vor dreißig oder vierzig Jahren. Auch hier hat der gute alte 34er-Fahr-Traktor aus den 1960er Jahren längst ausgedient.

Agritechnica 2025 Hannover, Foto: Rainer Bank
Agritechnica 2025 Hannover, Foto: Rainer Bank

Auf der Agritechnica 2025 konnten die Messebesucher wieder einmal erfahren, welche Lösungen die Landtechnikfirmen für die immer komplexer werdenden Anforderungen heutiger Landwirtschaftsbetriebe haben. Messebesucher aus der südbadischen Region wurden auf den Messeständen der großen europäischen Landtechnikhersteller eher nicht fündig. Die Zielgruppe dieser Weltleitmesse sind die Großbetriebe im Norden oder Osten Deutschlands oder die Kornkammern in Osteuropa. Es waren hie und da eher die kleinen und unauffälligeren Messestände ausländischer Firmen, auf denen man passende Maschinen für die kleinteilige südbadische Region finden konnte. Für interessierte Fachbesucher aus Südbaden lohnt ein Besuch der Schweizer Agrarmesse Agrama in Bern mehr. Die dort gezeigten Landmaschinen und Traktoren eignen sich besser für den Einsatz in Südbaden und dem Schwarzwald.

Trotzdem war die Agritechnica 2025 wieder eine Reise wert, um zu sehen, was technisch möglich ist, und ganz unverbindlich nach der Devise: „Sehen, Staunen, Diskutieren“.

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren

Größer, schwerer, mehr PS – Eindrücke von der Agritechnica 2025
Innovationen im Bio-Weinbau

Das Piwi Kollektiv aus Eichstetten

Mit dem Piwi Kollektiv wollen Martin Schmidt und Philipp Rottmann pilzwiderstandsfähige Rebsorten voranbringen und den Weinbau nachhaltig verändern. Vor allem aber wollen sie richtig guten Crémant he…

Weiterlesen ›
Größer, schwerer, mehr PS – Eindrücke von der Agritechnica 2025
Neue Wege der Agrarbildung

Ein internationales Workcamp für Studierende im Dreisamtal

Im Vorfeld des diesjährigen Höfe-Festivals fand erstmals ein Workcamp von Agrarstudierenden aus Deutschland und Frankreich im Dreisamtal statt. Die Studierenden hatten dabei die Möglichkeit, die hies…

Weiterlesen ›
Größer, schwerer, mehr PS – Eindrücke von der Agritechnica 2025
Trends für Hofläden und Direktvermarkter

Vom Acker in die Ackerbox – Ein Rundgang über die ExpoDirekt 2025

Alle Jahre wieder gibt es in Karlsruhe eine Fachmesse für landwirtschaftliche Direktvermarktung. Am 19. und 20. November zeigte die ExpoDirekt, was die Branche aktuell beschäftigt. Neben zahlreichen …

Weiterlesen ›