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Innovationen im Bio-Weinbau

Das Piwi Kollektiv aus Eichstetten

von Gabriele Hennicke, 9. Januar 2026 Mit dem Piwi Kollektiv wollen Martin Schmidt und Philipp Rottmann pilzwiderstandsfähige Rebsorten voranbringen und den Weinbau nachhaltig verändern. Vor allem aber wollen sie richtig guten Crémant herstellen. Vor zwei Jahren gestartet, können sie bereits eine beachtliche Erfolgsbilanz vorweisen.
Das Piwi Kollektiv aus Eichstetten
Die Initiatoren des Piwi Kollektivs: Philipp Rottmann und Martin Schmidt

Pilzwiderstandsfähige Rebsorten, sogenannte Piwis, sind so gezüchtet, dass sie kaum Pflanzenschutz brauchen. Sie weisen eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen die Pilzkrankheiten Echter und Falscher Mehltau auf und eignen sich damit ideal für den Bio-Anbau. „Wenn Winzer die Wahl hätten, würden sie gerne bio machen und auf Pflanzenschutz verzichten. Piwis sind die Fortentwicklung des Bio-Weinbaus, denn bei Piwi-Rebsorten reduziert sich der Pflanzenschutz um 80 Prozent gegenüber den herkömmlichen Rebsorten“, sagt Martin Schmidt. Zusammen mit seiner Frau Helen ist er Inhaber des Weinguts Kiefer und des Bio-Weinguts Schmidt in Eichstetten.

Die Piwi-Weine allerdings haben ein Problem, die Rebsorten sind wenig bekannt. Namen wie Cabernet Blanc, Solaris, Souvignier Gris sagen Weintrinkern erst einmal wenig. Zudem sind viele Verbraucher eher konservativ und kaufen am liebsten Wein von traditionellen Rebsorten, die sie kennen.

Dem Piwi Kollektiv kommt entgegen, dass guter Bio-Sekt auf dem Markt gefragt ist. „Die Idee, aus Piwis Sektgrundweine für hochwertige Crémants und Schaumweine herzustellen, hat daher großen Charme, zumal sich Cuvées aus mehreren Traubensorten für Crémants anbieten“, sagt Philipp Rottmann. Rottmann kommt aus der Start-up-Szene, hat selbst eines gegründet und andere Start-ups beraten. Hobbywinzer ist er zudem, er lernte Martin Schmidt kennen, als er diesem eine Maschine abkaufen wollte. Schnell erkannten die beiden, dass sie ähnlich ticken und gerne am großen Rad drehen. Und sie haben beide ein Faible für Crémant und das Handwerk der Sektherstellung.

So entstand die Idee, eine Dachmarke für die Vermarktung der Piwi-Sekte zu entwickeln. Unter dem Begriff Piwi Kollektiv vermarkten die beiden Gründer Crémants und Wein von Piwi-Trauben von Winzerinnen und Winzern am Kaiserstuhl und im Markgräfler Land. „Wir können so auch kleine Weinbaubetriebe – häufig im Nebenerwerb geführt – mitnehmen, die nur geringe Flächen von 0,5 bis ein Hektar Rebfläche mit Piwi-Sorten bewirtschaften“, sagt Martin Schmidt, „für die ist der Aufwand, Piwi-Weine zu keltern und sich als Bio-Betrieb zu zertifizieren, nicht zu leisten.“ Das Kollektiv macht Verträge mit den anliefernden Winzern und fungiert als Kellerei nach dem Prinzip einer Genossenschaft. Inzwischen ist es den beiden Visionären sogar gelungen, zusammen mit sechs Winzergenossenschaften einen Verein zu gründen, den Piwi-Bio-Flächenbund e.V. Er ermöglicht eine Bio-Gruppenzertifizierung und kann Bio-Förderung nach dem Förderprogramm „Fakt 2“ beantragen, was für einzelne Winzer mit kleinen Piwi-Rebflächen nicht möglich wäre.

Kulturlandschaft im Kaiserstuhl
Kulturlandschaft im Kaiserstuhl

Beim Start 2023 hatte das Piwi Kollektiv sieben anliefernde Winzer, inzwischen sind es über 25, teilweise befinden sich die Flächen in Umstellung auf bio. Die Winzer liefern die Trauben, der Crémant wird im Weingut Kiefer hergestellt und über das Piwi Kollektiv vermarktet. Bereits 55.000 Flaschen wurden 2024 abgefüllt. Der Crémant wird nach der traditionellen Methode wie in der Champagne hergestellt: mit Handlese, Flaschengärung und langer Hefelagerung. „Aus Piwis kann man richtig gute Sekte machen. Für den Sektgrundwein braucht man sehr gut versorgte, lebendige und ungestüme Rebstöcke und die habe ich mit Piwis“, schwärmt Winzer Martin Schmidt. So brächten die neuen Rebsorten die erforderliche Säure und Struktur mit, die für hochwertige Sekte benötigt würden. „Nou“ ist der Markenname der Crémants, er erinnert an das französische „nous“ (wir) und zugleich an das englische „new“ (neu). Aktuell besteht das Sortiment aus einem Crémant Rosé und einem weißen Crémant, einer alkoholfreien Variante auf der Basis von Traubensaft aromatisiert mit Kräutern sowie einem Secco, einem mit Kohlensäure versetzten Weißwein, und einem Balsamico-Essig. Besonders stolz sind Rottmann und Schmidt auf die Goldmedaille für ihren Crémant Rosé bei der Vinum Wine Competition 2024.

Für 2025 strebt das Kollektiv 100.000 Flaschen Crémant an, geliefert wird schon jetzt an Fachhandel, Gastronomie und Großhandel in Deutschland, Holland, Dänemark und Großbritannien. In Freiburg werden die Nou-Crémants auch im Pop-Up-Laden „Wein und Werk“ in der Brombergstraße verkauft.

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