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Die von Bernhard Nägele vom Bildungshaus St. Ulrich, Rainer Bank vom Thaddäushof in Kirchzarten, Christoph Wasser von Marktplatz LandKultur und Dr. Dieter F. Obermaier von regio21 e.V. organisierte Online-Veranstaltung fand zahlreiche Interessenten. Das erste Seminar-Gespräch der Initiative ‚Ahoch3‘ begann mit einem Impulsvortrag von Dieter Obermaier, im Anschluss gab es einen Austausch im Gespräch.
Was ist das „agrarkulturelle Jahr“?
In seinem einleitenden Vortrag klärte Dieter Obermaier, was unter dem Titel der Veranstaltung zu verstehen ist, also welche Aspekte sich hinter dem Begriff „agrarkulturelles Jahr“ verbergen. Zunächst sind es verschiedene Umweltaspekte, die ein agrarkulturelles Jahr prägen. Darunter verstehen wir den Jahres-, Monats- und den Tagesrhythmus. Das Wetter, der Boden und die Geologie beeinflussen diesen Rhythmus ebenso wie die Wasserkreisläufe, die Atmosphäre und die Landschaft.
Neben den natürlichen Faktoren umfasst das agrarkulturelle Jahr – wie der Name schon sagt – eine Vielzahl an Kulturleistungen, bestehend aus Kulturtechniken, Lebens- und Technikwissen, Erfahrungen, Agrarbildung sowie den religiös geprägten Feiertagen.
Schlussendlich wirken auch sogenannte biozönotische Leistungen wie die Inobhutnahme von Nutzorganismen, die Förderung derselben, die Bekämpfung von Schadorganismen und die Synchronisation von Lebenszyklen auf das agrarkulturelle Jahr ein.
Das traditionelle Wirtschaftsjahr der Landwirtschaft
Das traditionelle Wirtschaftsjahr beginnt in der Landwirtschaft am 1. Juli und endet am 30. Juni des darauffolgenden Jahres. Der Grund dafür ist, dass vor der nächsten Ernte der größte Teil der Ernteerzeugnisse nicht aufwendig inventarisiert werden muss. Die Einkommenssteuer wird jedoch nach Kalenderjahr bemessen. Deshalb muss der Gewinn anteilig auf zwei Wirtschaftsjahre verteilt werden und wird aus diesen beiden Wirtschaftsjahren ermittelt. Bei der Ermittlung der Umsatzsteuer wird nach demselben Prinzip verfahren.
Die Jahreszeiten und der Einfluss des Sonnen- und Mondzyklus
Ein Jahr besteht aus vier Jahreszeiten – Frühling, Sommer, Herbst und Winter –, welche in unseren Breitengraden sehr unterschiedlich ausfallen. Variierend ist auch die Tageslänge je nach Breitengrad auf dem Globus. Am 21. Juni, zu Beginn des Sommers, scheint die Sonne am Nordpol ununterbrochen für sechs Monate. Am nördlichen Polarkreis scheint die Sonne am Mittsommertag vierundzwanzig Stunden lang. Am nördlichen Wendekreis scheint die Sonne dreizehneinhalb Stunden, während es am Äquator wie auch an allen anderen Tagen zwölf Stunden sind. Je weiter man sich in Richtung Südpol bewegt, umso mehr nimmt die Sonnenscheindauer am 21. Juni ab. Am südlichen Wendekreis scheint die Sonne zehneinhalb Stunden, am südlichen Polarkreis scheint an diesem Tag die Sonne überhaupt nicht und am Südpol ist für sechs Monate von der Sonne gar nichts zu sehen.
Ebenso variiert die Tageslänge in unseren Breiten im Jahresverlauf sehr. In Südbaden erhellt das Zentralgestirn den Tag für etwa sieben Stunden. Am 2. Februar, dem Lichtmesstag scheint die Sonne eine gute halbe Stunde länger. Ab Maria Lichtmess nimmt die Tageslänge stärker zu, bis Anfang Mai auf vierzehn Stunden, wobei die Wachstumskurve dann abflacht und mit knapp sechszehn Stunden am 21. Juni ihren Zenit erreicht.
Eine bedeutsame Rolle für das Wachstum der Pflanzen hat auch der achtundzwanzigtägige Mondzyklus. Der zunehmende Mond und der Vollmond haben einen positiven Einfluss auf oberirdisch wachsende Pflanzen, wie sämtliche Getreide, Kohlgemüse und Salat. Der abnehmende Mond und der Neumond begünstigen dagegen Wurzelgemüse wie Kartoffeln, Karotten und Rote Bete. Ein aufmerksamer Gärtner oder Landwirt weiß die Einflüsse des Mondes bei der Auswahl der Pflanz- und Aussaattermine zu berücksichtigen. Bei der Ausbringung von wirtschaftseigenen Düngern wie Stallmist oder Gülle eignen sich die Tage ab Vollmond besonders für eine emmisionsarme Ausbringung.
Die Lebenszyklen der Pflanzen
Das agrarkulturelle Jahr wird auch von den unterschiedlichen Lebenszyklen der Pflanzen begleitet. Im zeitigen Frühjahr erfolgt die Aussaat oder das Auspflanzen verschiedener Pflanzenarten. Nach der Keimung wachsen diese stetig heran, reifen in den Sommermonaten ab, bis sie im Hochsommer geerntet werden können. Das Abreifen ist bei vielen Pflanzen auch der Beginn des Absterbens. Bei den meisten anderen Anbaukulturen, die nicht winterhart sind, erfolgt das Absterben durch den Frost.

Christliche Feiertage und weitere wichtige Tage im Jahreszyklus
Unsere Vorfahren waren noch stark eingebunden in das Wechselspiel von Jahres-, Monats-, Tages- und Mondzyklen. So wussten sie bestimmte Tage, die einen Wechsel im Jahreszyklus bedeuteten, besonders zu ehren. Mit der Christianisierung wurden daraus christliche Feiertage. Der Dreikönigstag am 6. Januar beendet das Ringen des Lichts mit der Dunkelheit in der Hochphase der Weihnachtszeit. Ab Maria Lichtmess nimmt die Tageslänge wieder deutlich zu. Mit dem Ende der Weihnachtszeit beginnt in der Landwirtschaft und im Gartenbau langsam, aber sicher wieder die Arbeit in der Natur. Rund um den 23. April, dem Georgitag oder Georgstag, setzt die Bodenwärme ein. Meistens liegt zuvor das Osterfest, welches den Frühling verkündet.
Der 30. April ist als Walpurgisnacht gekannt, die das Ende der kalten Nächte einläuten soll. Bis zur Zeit der Eisheiligen vom 11. bis zum 15. Mai muss immer noch mit Frostnächten gerechnet werden. Spätestens danach beginnt die Freilandsaison auch für sämtliche Kübelpflanzen. Das Pfingstfest folgt 50 Tage nach Ostern und der 21. Juni ist der längste Tag des Jahres. Der Siebenschläfertag am 27. Juni kündet von 7 Wochen beständigem Wetter, gleich ob es sich um eine Schön- oder Regenwetterperiode handelt. Der Laurenzitag am 10. August läutet schon den nahen Herbst ein. Rund um den Michaelstag am 29. September wird das Erntedankfest gefeiert. Bis Allerheiligen am 1. November hat sich die Natur wieder weitgehend zurückgezogen. Am Martinstag, den 11. November, sollten alle Feldfrüchte abgeräumt sein. Pächterwechsel für die Wiesen und Felder sind zu bezahlen und der jährliche Pachtzins ist zu entrichten. Der am 4. Dezember geschnittene Barbarazweig soll Glück oder Unglück im folgenden Jahr prophezeien. Und mit der Wintersonnwende am 21. Dezember und dem anschließenden Weihnachtsfest wird ein neuer Jahreszyklus eingeleitet.
Für alle Beteiligten war es ein spannender und unterhaltsamer Abend. Viele äußerten den Wunsch nach weiteren Online-Abenden zum Themenfeld rund um das „agrarkulturelle Jahr“. Fortsetzung folgt.
Mehr zur Initiative ‚Ahoch3‘ können Sie hier erfahren.